Archiv für April 2007

Ghandi Ghandi Popandi

Mal davon abgesehen, das Bild die alte Sandale überhaupt zu Werbezwecken nutzt, ist das Ghandi-Zitat „Gewalt ist die Waffe des Schwachen“ mit dem die Bild-Zeitung zur Zeit alle Bushaltestellen und Litfaßsäulen zugekleistert hat an Dämlichkeit kaum zu übertreffen. Noch blöder ist nur noch: „Der Klügere gibt nach.“
Und dann? Idiocracy?
Eigentlich ist Ghandi, mal von einer anderen Seite betrachtet, das schlimmste was jeder folgenden Protestbewegung passieren konnte. Zumindest in der Form, wie er allgemeinhin verstanden wird. Dank ihm kann jeder Widerstand der nicht auf „Passivität“ fußt als illegitim abgetan werden. Ironischerweise gerne durch die, die das (staatliche) Gewaltmonopol in den Händen halten, aber friedlichen Protest predigen.
Seinen Protest in dieser Form durchzubringen klappt genau einmal. Danach hat auch der dümmste Politiker oder Polizeichef gelernt, wie man sich gewaltfreien Protest nutzbar macht. Einfach indem man Gewaltfreiheit (wie bei Ghandi) einfordert. Kommt es dann zu Ausschreitungen hat der Protest, und wenn er noch so gerechtfertigt ist, seine moralische Legitimation verloren. Ab diesem Punkt kann von Staatsseite voll durchgegriffen werden.
Bleibt es doch friedlich, kann Gewalt, wenn nötig, immer noch provoziert werden, nicht zuletzt durch Agent Provocateurs, und alles läuft wieder nach Drehbuch.

Apropos Passivität, wenn man sich die Wahlbeteiligung in Sachsen Anhalt mal anguckt: Das ist auch friedlicher Protest. Sozusagen in direkter Tradition zu Ghandi. Gewaltfrei und effektiv, bloß ohne ewig durch die Gegend latschen. Stattdessen die Sonne oder das Fernsehprogramm geniessen. Auf alle Fälle effektiv genug um sich von dem alten Zausel Thierse beschimpfen zu lassen. Am Ende ist ihm dieser Protest aber auch egal. Wer sich aus dem bunten Strauß kleinerer Übel, die regelmäßig zur Wahl stehen, kein Blümchen aussuchen mag, der darf auch nicht mitreden. So!
Schließlich funktioniert diese Demokratie am besten, wenn keiner wählt. Brauch man auch nix ändern, scheinen ja alle zufrieden zu sein. Wenn der Pöbel aber doch mal aufmuckt, dann laß ihn doch latschen. Jeden Montag die gleiche Route. Miesmacher gibts immer, das sitzt man aus.
Wenn es wider erwarten doch mal brenzlig werden sollte, hähä, gibts immer noch das…na?
Richtig! Gewaltmonopol.
Doch nochmal zurück zu Bild, und hier wird dieser kleine gesellschaftsphilosophische Exkurs richtig billig und reibt noch einmal altbekanntes unter die, vom drunterreiben, bereits hornhautgestählte Nase. Preaching to the converted at its best und sowieso kennt jeder bildblog. Trotzdem! Gerade in der Verbindung Ghandi und Bild stellt sich die Frage was überhaupt Gewalt ist, bzw welche Gewalt gemeint ist. Was ist also schlimmer? Das was die Bild jeden Tag verzapft oder wenn, als Reaktion darauf, eine Scheibe des Axel-Springer-Hauses zu Bruch geht? Beides gleich schlimm? Rufmord versus Pflasterstein, Hetze contra Versicherungsfall? Physische gegen psychische Gewalt? Die Gewalt aus dem Blätterwald? Beizeiten ist eben das Wort mächtiger als das Schwert. Wer das gesagt hat? Fuck you! Lalala.

Heute früh ist mir aufgefallen, daß manchmal Hunde in der U-Bahn die einzigen sind, die freundlich gucken. Außerdem wollte die Angestellte neben mir, mich nicht in ihrer B.Z. mitlesen lassen, nachdem sie spitzgekriegt hatte daß ich da reinluscher. Kann ich verstehen. Wär mir auch peinlich wenn andere Leute mitkriegen, daß ich den obligatorischen Knut-Artikel überblätter und gleich mit den Gewaltpornos im Mittelteil anfang.

mp3-player sei dank

Es ist ja gemeinhin bekannt, daß einer der größten Makel des menschlichen Körpers darin besteht, zwar die Augen, nicht aber die Ohren schließen zu können. Man könnte sagen, verschließbare Ohren wären der nächste, sinnvolle Schritt der Evolution. Da das aber noch ein paar hundert Jahre oder länger dauern wird muß mensch sich vorläufig mit mp3-Playern behelfen. Die sorgen zwar nicht für Ruhe aber verfügen trotzdem über die großartige Fähigkeit die Außenwelt per Knopfdruck auf Stumm zu stellen. Das ist toll. Ich liebe das. Gestern fuhr ich mit der Bahn durch das Niedersächsische Ödland. Nach 15 Minuten Fahrt stieg eine Männerwandergruppe zu. Alle in der Gruppe waren in dem kritischen Alter wo sie sich noch mal ein Motorrad kaufen und sie stanken nach Alkohol. Wenn sie lachten bebte der ganze Oberkörper und die Schultern hüpften auf und ab. Gelacht wurde meistens über dicke Mädchen. Wenn ein Lachanfall vorbei war schauten sie sich die unbeteiligten Fahrgäste an und hofften anerkennende oder kumpelige Blicke zu ernten. Was für ein krasser, lustiger Haufen. In Wirklichkeit nur ein kümmerlicher Versuch sich selbst die eigene Coolness zu beweisen. Also Player raus, Lautstärke rauf und das Elend ignoriert.
Der Typ, der mir gegenüber saß sprang auf einmal auf und bot einer alten Oma seinen Platz an. Das ist nett, dachte ich. Auf dem Weg zu seinen saufenden Kumpels blieb er neben mir stehen und tönte in einer Lautstärke gegen die der mp3-Player keine Chance hatte: Der junge Mann hier könnte auch seinen Platz freimachen.
Damit meinte er mich.
Ja, sagte ich, das könnte ich schon…
Aber Bock dazu hatte ich nicht. Seine Schuld wenn er zuerst aufsteht. Außerdem konnte ich die Oma gar nicht sehen, bevor er ihr seinen Platz anbot, weil sie sich von hinten angeschlichen hatte. Die Oma saß jetzt auch schon und es wäre unverantwortlich gewesen, sie noch mal hoch zu jagen. Wie niederträchtig ist das denn. Eine alte Frau zum Spielball seiner Komplexe, oder seiner Alterskrise zu machen, nur weil ich nicht auf seine dämliche Profilierungsscheiße eingestiegen bin.
Das alles sagte ich ihm nicht. Stattdessen stellte ich den Player noch etwas lauter und genoß Turbostaats „PingPongPunk“.

Ahoi Makrele

Ein, wie ich finde, sehr feines Lied von Vom Segeln.

Irgendwann muss man ja den Audio-Player mal ausprobieren.

Huhu Mitte-Trooper! Bitte Nachmachen!

Bei der Berliner Zeitung erzählt Sabine Reichel über ihr Scheitern in Friedrichshain. Schön, das am Ende die Einsicht steht, hier nichts verloren zu haben. Das kann man nur begrüßen und hoffen diese Erkenntnis möge noch so manch anderen ereilen. Und Tschüssi!!!

Der läßt doch nur Dampf ab

Dieser Beitrag wurde von mir wieder entfernt, weil mir die ganze Situation, mit zugehöriger Diskussion auf die Nerven geht. Nur soviel sei noch angemerkt:

Grabschen
:)

Oettinger und kein Ende!

Nun hat Oettinger versucht sich mit einem offenen Brief zu entschuldigen ohne sich dabei zu entschuldigen. Was anderes ist von ihm, ehrlich gesagt, auch nicht zu erwarten gewesen. Das stramme rechtskonservative CDU-Volk wirds freuen. Da zeigt einer Eier.
Das für einen wie den Oettinger natürlich der Demokratiefeind Stauffenberg ein Vorbild ist, ist klar. Das paßt ja auch zu ihm: Sich einen Nazi als Vorbild suchen, der immer schön mitgemischt hat. Dieser Stauffenberg und seine Bande von angeblichen Widerständlern waren nur ein Haufen von reichen Säcken. Als abzusehen war daß der Gröfaz den schmutzigen Karren Deutschland gründlich in die Scheiße gefahren hat, hofften sie, wenigstens ihre Ländereien und ihr Geld retten zu können, indem sie den unbrauchbar gewordenen, verrückten Adolf hochsprengen.
Das nenn ich mal ein Vorbild. So muß Widerstand aussehen: Die Nazis werden ihre Rampensau Adolf nicht mehr los, Scheiß Personenkult eben, und weil sie versuchten sich ihrem Aushängeschild erfolglos zu entledigen, werden sie in der Folge noch zu antifaschistischen Märtyrern verklärt.
An solche Typen hängen sich dann Typen wie Oettinger gerne ran.

Gesichter des Grauens!!! Nummer 1.

Nur auf diesen ----->Link<----- klicken wenn man einen festen Magen hat!

Oettinger legt nach!

Der baden-würtembergische Ministerpräsident erklärte heute:“ Jan Ullrich hat nie, während seiner ganzen Karriere Drogen oder Dopingmittel genommen. Er wurde auch nie auf Droge beim Autofahren erwischt.“

Das einzig wahre Aussteigerprogramm Teil 2:

Wie bereits vor ein paar Tagen erwähnt, hatte Reinhard Mohr in seinem Nachruf auf Spon festgestellt, daß der Altnazi Filbinger ja gar kein richtiger Nazi war. Vielmehr war er eher ein mißverstandener Widerstandskämpfer. Wirre Annahme, könnte man ja denken, wenn so etwas über jemanden verbreitet wird, der seine Verbrechen zwanzig Jahre später mit dem Spruch „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein.“ verteidigte. Überhaupt waren an dieser „Kampagne“ gegen ihn, den Nazirichter, mal wieder die Kommunisten schuld.
Aber! Alles Lüge! Dank des aufrechten Christdemokraten Oettinger. Der baden-würtembergische Ministerpräsident himself, wohl auch ein versierter Hobbyhistoriker kann man annehmen, erklärte während seiner Trauerrede für Filbinger: „Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte. Hans Filbinger war kein Nationalsozialist.“ Im Gegenteil! Der aufrechte Antifaschist Filbinger sei „schicksalhaft in eine Situation hineingeraten, die den Menschen heute zum Glück erspart bleibt“.
Der hat auch wirklich ein Pech gehabt, der Filbinger. Da war er gerade mal über die gesamte Dauer des 1000jährigen Reiches (also 12 Jahre) in irgendwelchen Nazi-Vereinen aktiv und ab 1937 NSDAP-Mitglied und schon muß er sich als Nazi beschimpfen lassen.
Das ist wirklich unfair. Das wäre ja so, als würde man Oettinger einen Christdemokraten nennen, nur weil er ein CDU-Parteibuch hat. Wann fängt man eigentlich an, ein Nazi zu sein? Muß man, so wie Hitler, schon sechs Millionen Juden eigenhändig und im Alleingang umbringen bevor man sich das Etikett Nazi umhängen darf. Da hat man es als Antifaschist wirklich leichter. Dafür reicht es 8 Jahre in der NSDAP und 3 Jahre in der SA gewesen zu sein. Oder bis zum Kriegsende Todesurteile zu verhängen. Laut dem Oettinger hat er sich ja nicht mal das zu Schulden kommen lassen, obwohl Filbinger es selber zugegeben hat.
Es ist doch einfach tapfer, wie der Friedenspolitiker Oettinger, der vor seinen Studentenbundfreunden Anfang 2007 erklärte: „Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr,“ sich für einen Kameraden in die Bresche schmeißt.
„Unsere Ehre heißt Treue“ skandieren die hirnlosen Kasperköppe ja gerne.

Einem Bullen die Knarre klauen

Haben wir glatt gedacht, daß könnte lustig sein, als uns heute ein eher untersetztes Mitglied der Cop Culture über den Weg gelaufen ist. Dann haben wir uns die Pistole gegenseitig zugeworfen und er sprang in der Mitte hin und her. Von einem zum anderen und HEPP, bis er erst bockig (seine Schnurrbartspitzen zuckten wild auf und ab) und dann handgreiflich und gewalttätig wurde. „Scheißbulle!“ sagte Pascal zu dem grünen Männchen, “ Wir machen nur ein bißchen Quatsch, aber ihr Bullen müßt wie immer übertreiben.“ und gab ihm die Pistole zurück.

Als ich nach Hause kam, hatte mein Mitbewohner einen netten Brief vom Polizeipräsidenten
bekommen (mal wieder), der ihn unterwürfigst daran erinnern wollte, doch bitte endlich seine Erzwingungshaft in Moabit wegen ein paar, nicht bezahlter Strafzettel anzutreten. Auf den Briefumschlag hatte irgendein Scherzkeks einen Wahnsinns-Slogan aufgestempelt und seitdem weiß ich auch, daß Berlin total gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt ist. Ich denke, das schließt die Berliner Polizei dann mit ein. Wurd ja auch mal Zeit. Endlich sind die Bullen gegen Gewalt. Na, das hätten wir mal vorher wissen sollen.

Falls der eine oder andere sich noch mal an die finstere, alte Zeit erinnern will, als die Polizei noch nicht der Gewalt und Fremdenfeindlichkeit abgeschworen hatte, sondern gerade diese beiden Punkte im Aufnahmefragebogen unbedingt mit JA beantwortet werden mußten(Wer will schon Querulanten in den eigenen Reihen.), der kann am Freitag in das Haus der Demokratie und Menschenrechte,
Greifswalderstraße 4, gehen. Dort wird die Ausstellung „Vom Polizeigriff zum Übergriff“ eröffnet. Da kann man die gute, alte Zeit noch mal Revue passieren lassen. Den ersten Gummiknüppel oder Tritt, Faust in die Fresse, Polizeigriff. Jaja, alles Maßnahmen die es nie mehr geben wird.
Oh the times they are a-changin.

Das einzig wahre Aussteigerprogramm!

Reinhard Mohr schreibt heute in einem Nachruf auf den Nazirichter und ehemaligen CDU-Politiker Filbinger auf Spon:

„Aber er war ein Mitläufer, dem wie Millionen Deutschen, der Mut zum Nein, zum Nicht-Mitmachen, gar zum Widerstand, fehlte. Filbinger war von 1933 bis 1936 Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, 1934 bis 1937 Mitglied der SA, 1937 trat er in die NSDAP ein.“

Ja, kann man da nur sagen, das liest sich wirklich wie die Karriere eines Menschen dem nur der Mut zum Widerstand fehlte. Wie so viele Deutsche sich damals wohl gedacht haben:“ Wenn mir der Mut schon fehlt um Widerstand zu leisten, dann will ich wenigstens von Anfang an dabei sein.“

Da kann man ja nur staunen, daß er nicht gleich eine Widerstandsgruppe mit Hans Martin Schleyer zusammen gegründet hat.