Archiv für September 2007

Weil ich gerade in der Stimmung bin

und mir ein altes Interview mit dem Sänger von Rejected Youth eingefallen ist. Wenn ich mich richtig erinnere fand der Sänger Skinhead-Parodien wie die Jesus Skins gar nicht lustig.
Ich aber schon:

Jewdriver – Manischewitz

Oder auch die folgende Band. Was hab ich mich damals in der Köpi schlapp gelacht:

Hard Skin – Beer and Fags

und zum Schluß noch einen Klassiker. Damit schafften es die Jesus Skins sogar im Buch „Autonome in Bewegung“ im Kapitel über Kommunikationsguerilla erwähnt zu werden:

Die Jesus Skins bei Polylux:

Rejected Youth – Refuse/Resist

Wegen Umzugstress gibt es anstatt dem üblichen Rumgekotze zur Abwechslung mal wieder ein Video (erst das zweite).
Das „Angry Kids“-Album von Rejected Youth lief vor ein paar Jahren auf Dauerrotation bei mir und mit ziemlicher Sicherheit wird es beim neuen Album „Public Disorder“ nicht anders sein.
Also: Rejected Youth feat. den Sänger von Guerilla--->Tada

„The Boys – Spielverderber“

Die neue, große Serie des „Preacher„-Schöpfers Garth Ennis läßt erst einmal Zweifel aufkommen, ob er sein Versprechen, diese Serie werde „Preacher“ überpreachern auch wird einlösen können. Story und Figuren erinnern doch sehr an viele der unzähligen Miniserien, die er in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Ob er aus der Grundidee einen 60 Ausgaben umfassenden Handlungsfaden spinnen kann bleibt abzuwarten. Sicher ist, daß er mit „The Boys“ provozieren will und über das, was in einem großen Verlag veröffentlicht und gezeigt werden darf, geht Ennis locker hinaus. Insofern verwundert es nicht, daß die Serie nach der 6. Ausgabe aufgrund ihres Inhalts von DC eingestellt wurde. Mittlerweile ist er mit „The Boys“ bei einem anderen, kleineren Verlag untergekommen wo die Serie fortgesetzt wird.
„The Boys“ sind eine Einheit zur Kontrolle von Superhelden. Sie besteht aus „Butcher“, dem Anführer, einem fiesen und bösartigen Dreckskerl, dessen sabbernde Töle namens „Terror“ ihm nie von der Seite weicht, „Wee Hughie“ einem jungen Schotten, dessen Freundin von einem Superhelden versehentlich getötet wurde, einem verrückten Franzosen namens „Frenchman“, einer noch verrückteren und offensichtlich traumatisierten Frau namens „Woman (of the Species)“ und der linken Hand von Butcher, dem Mann, den sie „Mothers Milk“ nannten.
Zuerst wird in dem Comic gar nicht klar, wer hier Bösewicht und wer Opfer ist, wenn Butcher rücksichtslos seinem Geschäft nachgeht. Erst mit Auftauchen der ersten „Superhelden“ wird klar, daß nur ein wirklich fieses Arschloch mit den noch fieseren und arroganten Supies fertig werden kann. Mit dem Spruch „Superhelden wie sie wirklich sind“ wurde ja damals auch schon „The Authority“ beworben und Parallelen zwischen beiden Serien sind nicht zu übersehen. „The Authority“ markierten eine neue Generation von Superhelden-Comics. Diese Helden waren arrogant, drogenabhängig und würden sie nicht gelegentlich mal einem Bösewicht das Gesicht zerkloppen, wären sie von eben diesen Bösewichtern nicht zu unterscheiden. Das ist auch der Ausgangspunkt für Ennis seine „Boys“. Getreu dem Motto, daß absolute Macht auch absolut korrumpiert, nutzen diese Superhelden ihre Überlegenheit schamlos aus.
Das wiederrum nutzt Ennis um seinem bekannten schwarzen Humor freien Lauf zu lassen. Ob man auf Kommando vergewaltigende Hunde, erzwungenen Oralsex oder in den Anus gesteckte Hamster lustig findet, muß jeder selbst entscheiden. Ich hatte den Eindruck, daß hier die Provokation reiner Selbstzweck ist, daß da einer die Grenzen dessen, was in einem Mainstream-Comic zeigbar ist auslotet. Dahinter bleiben die Charaktere ziemlich blass, etwas das Ennis im „Preacher“ nicht passierte. Dort schuf er, trotz aller Heftigkeit und Provokation, nachvollziehbare, menschliche Charaktere. Hier sind die Figuren bereits zu Beginn derart over-the-top, daß sie nur als Karikaturen gesehen werden können, mit denen eine Identifikation schwerfällt z. B. wenn für einen der „Boys“ die Vergewaltigung und Tötung seiner Frau durch einen Superhelden die Handlungsmotivation darstellen soll, gleichzeitig aber die Ermordung von Enkelkindern für ihn nur ein Schulterzucken und einen dummen Spruch wert ist oder seinem Hund das vergewaltigen eines anderen Hundes zu befehlen ein guter Witz.
Sicherlich, die Serie soll eine bitterböse Satire auf das Superheldengenre sein, aber ob sich ein Witz auf insgesamt 60 Ausgaben strecken läßt, ohne den Charakteren etwas Tiefe und Nachvollziehbarkeit zu verleihen, scheint fraglich. Zumal Ennis bereits mit seinen Miniserien „The Autority: Kev“, „Thor:Vikings“ und „The Pro“ sowie in diversen Ausgaben der von ihm geschriebenen „Punisher“ und „Hitman„-Serien Superhelden-Parodien geschrieben hat.
Die Anforderungen an eine auf fünf Jahre angelegte Serie sind eben andere als an eine vier- oder sechsteilige Miniserie. Allerdings ist Ennis durchaus in der Lage, einerseits ziemlich heftig und derb, andererseits aber auch sehr einfühlsam zu schreiben. Nicht umsonst ist er einer der beliebtesten und gefragtesten aktuellen Comicautoren. Es bleibt also abzuwarten in welche Richtung sich die Serie weiter entwickelt.
Wer Ennis kennt und mag wird mit diesem Sammelband keine Überraschungen erleben aber auch keine Enttäuschung, ob es aber zum nächsten, großen Wurf nach „Preacher“ reicht, bleibt abzuwarten.
Erwähnt seien noch die wirklich tollen Zeichnungen von Darick Robertson, der sich mit „Transmetropolitain“ einen Namen machte und bereits mehrfach mit Ennis zusammenarbeitete. („Fury„,“Punisher“)

Die Träume der Ossis

Wie von Sinnen auf den Osten und meine Mitossis einzudreschen bereitet mir gelegentlich grimmige Freude, wie die drei regelmässigen Leser dieses kleinen garstigen Blogs mit Sicherheit schon realisiert haben. Damit geht eine gewisse Abgestumpftheit, eine Scheißegal-Haltung einher, die man sich eben zulegt, wenn man nicht bereits in jungen Jahren am Herzkasper zu Grunde gehen will. Dementsprechend schockt einen nur wenig und die rosa Ironiebrille sitzt immer fest auf der Nase. Zyniker wollen die meisten eh nicht unter 30 werden.
Manchmal aber, da gibt es so Sachen, die könnten auch mir fast die Sprache verschlagen.
Auf die Frage, warum meine Generation so komisch sei, antwortete ich jahrelang: Nun, die meisten Leute aus meiner Gegend wußten mit ihrem Abi nichts besseres anzufangen, als BWL zu studieren oder zu den Bullen zu gehen.
Fairerweise muß gesagt werden, daß BWL immer eine gute Wahl ist um irgendwo einen kleinen, grauen Bürojob abzugreifen. Das sind die Träume der Nachwuchsossis, nachdem ihnen den Großteil ihrer Schulzeit erklärt wurde, daß aus ihnen eh nichts wird, schon gar nicht in MeckPomm. Daß, wer heute überleben will, weggehen muß, Fernbeziehungen führen wird und der Arbeit hinterher zieht.
Also gingen sie scharenweise auf Nummer Sicher.
Diejenigen, die bei aller Sicherheit auch ein bißchen Action wollten gingen zu den Bullen.
Und jetzt. Jetzt ist der Blitz direkt in meiner Familie eingeschlagen. Fürchterlich. Wie kann man sein Leben nur so wegwerfen.
Na, auf die kommenden Familienfeiern freu ich mich schon, Herr Polizeimeister.

Typisch deutsch!

Wir sitzen im Flughafen von Malaga vor unserem Schalter auf dem Boden und warten darauf, daß der Schalter öffnet und wir einchecken können. Da die Rückgabe unseres verbeulten Leihwagens problemloser als gedacht ablief, sind wir sogar die Ersten. Langsam trudeln unsere Mitreisenden ein und bilden eine Schlange. Direkt hinter uns ein feistes Pärchen. Er mit Goldkette und viel zu enger brauner Lederhose, Sie mit Frittenbuden-Dauerwelle und viel zu engen Leggins. Die beiden sind schlecht gelaunt. Solche Menschen, wenn sie dann auch noch nach Ostwestfalen fliegen, sind immer schlecht gelaunt. Die blühen nur beim Schützenfest auf, aber das Thema hatten wir bereits ganz am Anfang.
Der Zeitpunkt an dem die Schalter öffnen rückt näher. Es gibt nämlich zwei Schalter, aber bis jetzt nur eine Schlange. Eine, kurz vor Schalteröffnung, eintreffende Familie erkennt das, ignoriert die bereits 20m lange Schlange und stellt sich vor den zweiten Schalter. Sofort bildet sich hinter ihr eine neue Schlange aus Opportunisten, die vom Ende der ersten Schlange nach vorne eilen.
Zeitgleich platzt dem Golkettenträger hinter uns der Kragen. Obwohl zweiter in unserer Schlange und somit schätzungsweise 2 Minuten nach Schalteröffnung mit dem Einchecken fertig (was nebenbei völlig egal ist, weil das Flugzeug so oder so erst zwei Stunden später fliegt), schreit er zu der Familie rüber. Sein Gesicht wird puterrot und die fiesen Augen, deren Pupillen von einem ungesunden Gelb eingerahmt werden, quellen heraus. Er empfindet es als eine Frechheit. Es gibt eine Schlange für beide Schalter, schreit er und gestikuliert wild. Neben ihm baut sich seine Begleitung auf. Beide sehen aus wie zum Kampf bereit, als hätten sie nur auf so einen Vorfall gewartet, damit sie zuhause etwas zu erzählen haben.
Zwei lange Minuten blaffen sie zu der Familie herüber und obwohl ich Verallgemeinerungen nicht mag, beuge ich mich zu Lydia hinüber und sage:

Oh Mann, das ist mal wieder typisch deu…

Noch bevor ich den Satz zu Ende gesagt habe, wehrt sich die beschimpfte Familie erstmals und blafft zurück.
Für einen kurzen Augenblick herrscht Stille. Ich halte in meinem angefangenen Satz inne und alle harren der Dinge, die da kommen mögen. Dann fängt sich der Goldkettenträger wieder und grunzt:

Das ist so typisch deutsch!

Ich bin verwirrt und beginne laut zu lachen.
Irgendwie scheint jetzt alles gesagt.
Die Schalter öffnen, wir geben unser Gepäck ab und fliegen in das ostwestfälische Überschwemmungsgebiet.

Megaevil!!

Unsichtbare Rechtsextreme, Besserwessis und ein Selbstversuch für Mutige

Draußen schreit die aktuelle Straßenirre ihren Hass gegen eingebildete Widersacher minutenlang heraus, bevor sie mit einem:“ Ist das jetzt klar!“ wieder in der Einfahrt des gegenüberliegenden Hauses verschwindet. Ehrlicher Wahnsinn ist die reine Erholung gegen das Grauen, welches sich außerhalb meines bescheidenen Refugiums und weit entfernt von meinem Balkon abspielt. Ja, ich war wieder unter Menschen. Schlimmer noch! Unter Ossis. Unter Jammerossis.
Besuche in der Heimat sind meist, nachdem sich die Wiedersehensfreude gelegt hat, schmerzhafte Erfahrungen. Nach einer Weile beginne ich mit den Füßen zu scharren und nach Drogen zu gieren. Mich überkommt ein unbändiger Drang nach Taubheit. Auch akustisch.
Ich kann sie nicht ertragen. Sie suhlen sich in Selbstmitleid, weil sie sich als Deutsche 2. Klasse fühlen und weil sie dumme Rassisten sind, sich ihrer ausländerfeindlichen und rechtsextremen Vorurteile und Standpunkte nicht mal bewußt, fühlen sie sich ständig ungerecht behandelt.

Die Rechtsextremen von ausserhalb

In Mügeln gibt es keine Rechtsextremen, sagt der Bürgermeister. Überhaupt muß man in Ostdeutschland Nazis mit der Lupe suchen. Wenn sie in Mügeln Menschen jagen oder in Bützow den Stand einer pakistanischen Familie zerlegen, dann waren es immer welche von außerhalb. Die Halbstarken in den Naziklamotten da drüben? Ach, die wissen doch gar nicht was hinter der Marke steckt. Außerdem, alles ganz liebe Jungs.
In Schwerin wird der Rechtsextremismusexperte und Direktor der Schweriner Akademie für Politik, Wirtschaft und Kultur entlassen, weil er über Rechtextremismus redet. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf in einer Gegend in der Leute sich als Links begreifen, aber der Meinung sind, wer Asylanten in Deutschland haben will, soll sich doch einen Container in den Vorgarten stellen.
Wo es flächendeckender Konsens ist, daß alle Ausländer Sozialschmarotzer sind und keiner den Widerspruch bemerkt, wenn es eine Minute später heißt, Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg, wundern sich die Menschen tatsächlich über rechtsextreme Übergriffe.
Natürlich kennt auch der ein oder andere einen „Ausländer“ persönlich. Der ist dann meistens sogar ganz nett, aber eben nur die Ausnahme und das reicht auf keinen Fall um überhaupt auch nur an den eigenen Vorurteilen zu kratzen.
Stattdessen machen Schauermärchen die Runde. Ich hab sie alle schon gehört. Die urbane Legende von der Wichse in der Dönersauce sogar schon mehrfach. Einmal sogar in Castrop-Rauxel. Auch die Story, daß die „Ausländer“ gerne um den Preis verhandeln, indem sie wahlweise Macheten oder Äxte in Holztische hauen ist mir schon öfter in verschiedenen Varianten begegnet. Mal sind es Zigeuner, die jemandem die Messer und Äxte geschliffen haben und auf einmal mehr Geld als vereinbart haben wollen und ein anderes Mal Türken, die fuchsig werden, weil der deutsche Nutzviehhalter sein Lämmchen zwar zum Schlachten verkaufen will, aber nicht zum Schächten an fiese Tierquäler-Moslems.

Die Besserwessi-Weltverschwörung

Die Bürger von Mügeln fühlen sich als Opfer. Warum? Wegen den Wessis. Die wollen den Ossis nämlich nur wieder einen reindrücken und alle als Nazis abstempeln. Dass sie da grandios selbst für gesorgt haben, geht den Jammerossis nicht auf. Wie auch?
Die Nazis sind bekanntlich nicht aus dem Ort. Wahrscheinlich sind sie von der Besserwessi-Weltverschwörung extra angekarrt worden, um im beschaulichen Mügeln Unfrieden zu stiften.
Das dieser Vorfall überhaupt derartige Wellen geschlagen hat, liegt nicht an der widerlichen Tat selbst, sondern an den höheren Polizeibeamten und Staatsanwälten. Das sind auch alles Wessis und sie hassen die Ostdeutschen. Deshalb lassen sie die günstige Gelegenheit auch nicht verstreichen, die harmlosen Bierzeltspäße von 200 Einzeltätern, die sich gegen einen acht Mann starken Inder-Mob verteidigt haben, lautstark anzuprangern. Nicht nur das! Obendrein sind sie auch alle unfähige Vollpfosten, die nach der Wende in den Osten weggelobt wurden.
Natürlich nicht der eigene Chef. Der hat sich ordentlich beworben und ist sonst auch ganz nett.
So geht die Litanei endlos weiter.

Kameradschaft Lübesse

Ein Selbstversuch für Mutige

An der B106 bei Schwerin liegen die Dörfer Ortkrug und Lübesse. Kulturelles Zentrum dieser beiden, dicht nebeneinander liegenden Dörfer, ist die Tankstelle. Ungefähr hier beginnt der Abstieg in einen zähen Scheißepfuhl, dessen Gestank Richtung Osten immer weiter zunimmt. Riesige, fiese und behaarte Tentakel peitschen einem aus diesem Loch entgegen. Aber an der Tankstelle beginnt es wie so oft erst einmal tragikomisch. Hier sitzt die Kameradschaft Lübesse jeden Tag, trinkt billiges Bier und zeigt sich in seiner ganzen Erbärmlichkeit. Ein paar Kilometer weiter liegt Wöbbelin. Das Dorf, ein langer Schlauch an der Bundesstraße, hat einen Puff. Die wenigsten Leute wissen, daß es hier außer einem Puff auch noch eine KZ-Gedenkstätte gibt. Daher wurde vor einigen Jahren vor der Gedenkstätte eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt. Bei der letzten Wahl hingen in Wöbbelin an jedem Laternenpfahl gleich zwei NPD-Plakate. Die anderen Parteien haben gar nicht erst Wahlplakate aufgehängt.
Wer jetzt noch weiter will, dem wünsche ich viel Spaß.