„The Boys – Spielverderber“

Die neue, große Serie des „Preacher„-Schöpfers Garth Ennis läßt erst einmal Zweifel aufkommen, ob er sein Versprechen, diese Serie werde „Preacher“ überpreachern auch wird einlösen können. Story und Figuren erinnern doch sehr an viele der unzähligen Miniserien, die er in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Ob er aus der Grundidee einen 60 Ausgaben umfassenden Handlungsfaden spinnen kann bleibt abzuwarten. Sicher ist, daß er mit „The Boys“ provozieren will und über das, was in einem großen Verlag veröffentlicht und gezeigt werden darf, geht Ennis locker hinaus. Insofern verwundert es nicht, daß die Serie nach der 6. Ausgabe aufgrund ihres Inhalts von DC eingestellt wurde. Mittlerweile ist er mit „The Boys“ bei einem anderen, kleineren Verlag untergekommen wo die Serie fortgesetzt wird.
„The Boys“ sind eine Einheit zur Kontrolle von Superhelden. Sie besteht aus „Butcher“, dem Anführer, einem fiesen und bösartigen Dreckskerl, dessen sabbernde Töle namens „Terror“ ihm nie von der Seite weicht, „Wee Hughie“ einem jungen Schotten, dessen Freundin von einem Superhelden versehentlich getötet wurde, einem verrückten Franzosen namens „Frenchman“, einer noch verrückteren und offensichtlich traumatisierten Frau namens „Woman (of the Species)“ und der linken Hand von Butcher, dem Mann, den sie „Mothers Milk“ nannten.
Zuerst wird in dem Comic gar nicht klar, wer hier Bösewicht und wer Opfer ist, wenn Butcher rücksichtslos seinem Geschäft nachgeht. Erst mit Auftauchen der ersten „Superhelden“ wird klar, daß nur ein wirklich fieses Arschloch mit den noch fieseren und arroganten Supies fertig werden kann. Mit dem Spruch „Superhelden wie sie wirklich sind“ wurde ja damals auch schon „The Authority“ beworben und Parallelen zwischen beiden Serien sind nicht zu übersehen. „The Authority“ markierten eine neue Generation von Superhelden-Comics. Diese Helden waren arrogant, drogenabhängig und würden sie nicht gelegentlich mal einem Bösewicht das Gesicht zerkloppen, wären sie von eben diesen Bösewichtern nicht zu unterscheiden. Das ist auch der Ausgangspunkt für Ennis seine „Boys“. Getreu dem Motto, daß absolute Macht auch absolut korrumpiert, nutzen diese Superhelden ihre Überlegenheit schamlos aus.
Das wiederrum nutzt Ennis um seinem bekannten schwarzen Humor freien Lauf zu lassen. Ob man auf Kommando vergewaltigende Hunde, erzwungenen Oralsex oder in den Anus gesteckte Hamster lustig findet, muß jeder selbst entscheiden. Ich hatte den Eindruck, daß hier die Provokation reiner Selbstzweck ist, daß da einer die Grenzen dessen, was in einem Mainstream-Comic zeigbar ist auslotet. Dahinter bleiben die Charaktere ziemlich blass, etwas das Ennis im „Preacher“ nicht passierte. Dort schuf er, trotz aller Heftigkeit und Provokation, nachvollziehbare, menschliche Charaktere. Hier sind die Figuren bereits zu Beginn derart over-the-top, daß sie nur als Karikaturen gesehen werden können, mit denen eine Identifikation schwerfällt z. B. wenn für einen der „Boys“ die Vergewaltigung und Tötung seiner Frau durch einen Superhelden die Handlungsmotivation darstellen soll, gleichzeitig aber die Ermordung von Enkelkindern für ihn nur ein Schulterzucken und einen dummen Spruch wert ist oder seinem Hund das vergewaltigen eines anderen Hundes zu befehlen ein guter Witz.
Sicherlich, die Serie soll eine bitterböse Satire auf das Superheldengenre sein, aber ob sich ein Witz auf insgesamt 60 Ausgaben strecken läßt, ohne den Charakteren etwas Tiefe und Nachvollziehbarkeit zu verleihen, scheint fraglich. Zumal Ennis bereits mit seinen Miniserien „The Autority: Kev“, „Thor:Vikings“ und „The Pro“ sowie in diversen Ausgaben der von ihm geschriebenen „Punisher“ und „Hitman„-Serien Superhelden-Parodien geschrieben hat.
Die Anforderungen an eine auf fünf Jahre angelegte Serie sind eben andere als an eine vier- oder sechsteilige Miniserie. Allerdings ist Ennis durchaus in der Lage, einerseits ziemlich heftig und derb, andererseits aber auch sehr einfühlsam zu schreiben. Nicht umsonst ist er einer der beliebtesten und gefragtesten aktuellen Comicautoren. Es bleibt also abzuwarten in welche Richtung sich die Serie weiter entwickelt.
Wer Ennis kennt und mag wird mit diesem Sammelband keine Überraschungen erleben aber auch keine Enttäuschung, ob es aber zum nächsten, großen Wurf nach „Preacher“ reicht, bleibt abzuwarten.
Erwähnt seien noch die wirklich tollen Zeichnungen von Darick Robertson, der sich mit „Transmetropolitain“ einen Namen machte und bereits mehrfach mit Ennis zusammenarbeitete. („Fury„,“Punisher“)


8 Antworten auf „„The Boys – Spielverderber““


  1. 1 difficultiseasy 25. September 2007 um 23:13 Uhr

    Hier stand ein langer Kommentar von mir, den der Serverabsturz leider gefressen hatte. also jetzt nur ganz kurz:
    ich mag ennis nicht immer. zuviel „cowboys, ehre und gewehre“.
    „the authority“ sollte man selber mal gelesen haben, bevor man einfach so ein Urteil fällt.
    Wenn schon ein ähnlicher Comic, dann bitte „Stormwatch: Team Achilles“, der genau das gleiche Thema hat wie der von Ennis, die Überwachung der Supermenschen (dort hat die Authority genau die Rolle die du beschreibst).

  2. 2 difficultiseasy 25. September 2007 um 23:25 Uhr

    wenn schon over-the-top, dann bin ich ja eher fan von warren ellis. grant morrison und natürlich alan moore haben beide auch wunderbare superhelden-geschichten geschrieben. ennis fällt hinter all denen einfach zurück.

  3. 3 Administrator 26. September 2007 um 10:44 Uhr

    Schade, daß der lange Kommentar weg ist :(

    Mit „Team Achilles“ hast du natürlich recht. Mein Vergleich bezog sich aber eher auf die Werbung zu Beginn des ersten Authority-Runs von Warren Ellis ;) und die Parallelen in der Art, wie die Supies agieren und nicht auf eine generelle Ähnlichkeit in der Thematik der Serien.

    Und Warren Ellis würde ich Ennis auch jeder Zeit vorziehen.

  4. 4 difficultiseasy 26. September 2007 um 21:07 Uhr

    ja ok. ich hab evt etwas überreagiert, da mir die authority ja ein bisl am herzen liegt. und trotz des anti-authoprity tons von „team achilles“ hab ich es zB sehr gemocht. der kommentar schaut pissiger aus als er gemeint war. der serverabsturz wars, denk ich mal.
    irgendwann will ich eh mal was längeres über das wildstorm-universum schreiben. aber da gehört ja auch die geschichte von image/wildstorm rein, hach das is so viel. mal schauen wie es sich jetzt diese worldstorm sache entwickelt. auf grant morrison halte ich ja große stücke, meistens.
    und das ultimate-universum hab ich auch liebgewonnen. leider bin ich in den normalen kontinuitäten nicht so drin. also bei marvel. „civil war“ würde mich interessieren. ich fang bei gelegenheit mal mit „jla“ von g. morrison an. das soll ja ein geistiger vorfahr von der authority sein. haste damit erfahrungen? ich lese so richtig comics erst seit 2 jahren.

  5. 5 Administrator 27. September 2007 um 20:45 Uhr

    Mit „JLA“ kenn ich mich eigentlich gar nicht aus. War mir immer irgendwie zu, hmm, oldschool ;) Hab auch nur ein Superman-Comic: Genosse Superman, wo er nicht in den USA, sondern in Russland aufwächst. Da kam ich nicht dran vorbei.
    Authority hab ich damals angefangen weil Warren Ellis die ersten 3 Storys geschrieben hat. Den Run von Mark Millar im Anschluß fand ich sogar etwas besser, trotz der zahlreichen Verstümmelungen durch die Zensur des Verlags. Als Millar dann mit Bryan Hitch die Ultimativen übernahm, war das ein Grund, da mal reinzuschauen. Ich hangel mich also eher an den Autoren (und Zeichnern) entlang und bin nicht so der Continuity-Checker. Obwohl mich der Civil War auch interessieren würde, bin aber bis jetzt immer vor dem schieren Umfang solcher Crossover-Events zurückgeschreckt.
    Das sprengt mein kleines Studentenbudget.

    Ein Text über das Wildstorm-Universum würd mich freuen, außer Authority und Planetary hab ich da nicht so den Plan von. Der kleine Einblick bei Coup d‘Etat hat durchaus Lust auf mehr gemacht aber das Studentenbudget bremst.
    Ich denke, ich werde in Zukunft etwas mehr über Comics schreiben. Das Thema kommt bei Blogsport doch etwas zu kurz ;)

  6. 6 difficultiseasy 27. September 2007 um 22:55 Uhr

    ich hab ja auch nur ein mini-budget, aber ähem, also da gibts dann ja so programme halt…wo man ebebn…jaja…und so. kaufen tu ich wirklich wenig. wenn ich alkohol und essen runterladen könnte würd ich echt mehr comics kaufen.
    ich geh aber auch meistens nach den autoren. bei jla gabs halt einen langen run von grant morrison, das wär auch das einzige was mich dran interessiert. zu den üblichen kontinuitäten hab ich die gleiche einstellung wie du. ab und zu mal was von batman und die superman-story hab ich auch gelesen. war ganz amüsant. grad bin ich auch noch supreme power und dem folgenden squadron supreme v2 dran. das wurde von JM straczynski geschrieben und hat eine noch etwas härtere gangart als bei den supremes. am ende sind die natürlich wieder alle bei der regierung angestellt, aber eine zeit lang hauen die richtig auf die kacke.
    und was p2p angeht empfehle ich immer gerne soulseek. da bin ich zur zeit nur noch selten, aber man bekommt fast alles. wenn man also mal wo reinschnuppern will…

  7. 7 Administrator 28. September 2007 um 0:37 Uhr

    haha, ja mit p2p kann durchaus die ein oder andere Lücke gestopft werden. Vor allen Dingen wenn mal wieder ein 40 Seiten Heft in Deutschland als Hartcover veröffentlicht wird, damit man einen Grund hat den Preis von 4 auf 14 Euro zu erhöhen.
    Ansonsten ist es bei mir wohl wie bei den Plattensammlern. Es ist halt nicht das gleiche.
    Das Soulseek für sowas gut ist, wußte ich nicht. Ein Grund mich mal wieder damit zu beschäftigen.
    Supreme kenn ich leider (noch) nicht, hört sich aber gut an. Hatte vor Jahren mal eine Punisher-Story von JMS gelesen. War, glaube ich, sogar seine erste Comicstory überhaupt. Die war aber ziemlicher Murks. Stand sogar im Heft selber drin, daß der Autor seine eigene Story Scheiße findet. Danach soll er sich aber enorm verbessert haben und sein Supreme Power wurde oft gelobt.
    Gerade nutz ich die Gelegenheit, das Y-The Last Man wiederveröffentlicht wird. Oh, und Global Frequency ist auch ganz fetzig.

  8. 8 difficultiseasy 01. Oktober 2007 um 0:21 Uhr

    y-the last man schreckt mich ja immer ab. so is es oft mit serien die schon lange laufen. dieses ganze nachlesen… aberich hör immer nur gutes drüber.
    soulseek is ein prima platz um an comics zu kommen. da gibts einen raum für, der heisst natürlich „comics“. macht man ne roomsearch in der nacht, wenn die amis alle dabei sind, dann findet man eigentlich fast alles was man braucht. natürlich sind die nicht so aktuell, wie zB die bei den torrents der ganzen scannergruppen.
    ich häng da auch rum.
    du kannst mich mal über mein kontaktformular anschreiben, dann geb ich dir meinen namen. dann kannste mal günstig in supreme reinschauen.

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