Deutschland erwache unterm Raucherstern

Raucher und Nichtraucher verbindet meistens zumindest eines, nämlich die gegenseitige Verachtung. Für den Nichtraucher ist der Raucher ein rücksichtsloses Monster, daß seinen persönlichen Lustgewinn über die gesundheitliche Unversehrtheit seiner unmittelbaren Umgebung stellt. Umgekehrt ist der Nichtraucher für den Raucher ein spaß- und genusshassender Gesundheitsapostel. Ein Entsager, der seine, aufgrund mangelnder Nikotinzufuhr, chronisch schlechte Laune an seinem unmittelbaren Umfeld ausläßt, weil er sich einfach nicht locker machen kann. Interessanterweise resultiert aus dieser gegenseitigen Verachtung aber ein völlig gegensätzliches Verhalten. Während der Nichtraucher danach trachtet, wenigstens den aktiv rauchenden Raucher aus seiner unmittelbaren Umgebung zu entfernen,was ja zugegebenermaßen eine durchaus logische Konsequenz aus seiner Verachtung gegenüber dem Raucher ist, geht es dem Raucher vielmehr darum, trotz seiner Verachtung für die Nichtraucher eine größtmögliche Nähe zu diesen herzustellen. Denn er will nicht in verqualmten Hinterzimmern rauchen, oder in Raucherkneipen. Er will überall rauchen, auch gerade in der Nähe von Leuten, von denen er weiß, daß es sie stört. Denn der Raucher interpretiert seine Angewohnheit als Teil seiner Persönlichkeit und leitet daraus das Recht ab, dieser Angewohnheit überall nachzugehen. Wird er in dieser Angewohnheit eingeschränkt, kommt das für ihn einem Verbot seiner Persönlichkeit gleich. Darufhin kann folgendes passieren: Er denkt sich folgendes T-Shirt aus, versehen mit dem Anspruch „durch knallharte Provokation“ Deutschland wachzurütteln. Das kann konfus finden wer will, sich mit den Opfern des Holocaust gleichzusetzen um darauf „Deutschland erwache!“ zu brüllen.