Archiv für Februar 2009

Links zu echten und falschen Filmen

Bei den 5 Filmfreunden gibt es einen Beitrag über den letzten Internet-Meme-Hype: Backflick-Meme,
bei Ignaz Nazi-Porn mit dazugehörigen Filmtiteln und sum1 hat eine Kritik zum Spaßguerilla-Drama „Nichts geht mehr“ geschrieben.

Töten ist gut

Alien-Schlächter, Weltkrieg, „Landser“-Heftchen, brutal, platt und dämlich. Krieg, „Landser“-Heftchen, gespielter Krieg, Triumph der Nationalstaaten, Stolz und Freude, Krieg fürs Vaterland, nationaler Zeitvertreib, der Kaiser und seine Generäle, und 1914 ließen sich die jungen Männer in Scharen begeistert in die Schützengräben schicken.
Planetarer Patriotismus als Rechtfertigung fürs Töten. Zwei Weltkriege, sexuelle Revolution, der Kampf einer Nation, Rechtfertigung fürs Töten. Sterben fürs Vaterland, der nächste Weltkrieg, globale Zielgruppen, böse Nazis, böse Aliens, Monster, Kopfschüsse, Stolz, planetarer Patriotismus, Alien-Rasse, Weltraum-Marines, muskelbepackte Kämpfer aus dem All mit Spaß am Stresslevel eines Landsers. Kriegsgebiet, Strahlenwaffen, Riesenmonster, gehende, rollende, fliegende Riesenroboter, Über-Gegner, größer als der normale Alien-Landser, noch mehr Augen. Angreifer aus dem All, aus den Kriegsfilmen der guten alten Zeit, ohne jede Ironie.
Ikonografie der Weltkriege: Aliens sind auch nur Nazis. Blöd am echten Zweiten Weltkrieg: Keine Riesenroboter als Gag. Nazi-Zombies. Ins Sturmgewehr integrierte Kettensäge: Gegner im Nahkampf entzweischneiden. Den Kaiser hätte’s wohl gefreut! Weltkrieg-mit-Aliens-Simulationen auf dem Niveau eines Weltkriegsfilms aus den Fünfzigern. Böse Aliens, rassistische Ausbrüche, John Wayne, japanische Komparsen. Spektakelgröße: die Rettung der Welt, Mordtaten, Globalpatriotismus, drogenabhängige Psychopathen, Verderbtheit, Mordopfer.
Satirische Ambivalenz: „Töten ist gut, solange es die richtigen trifft!“
Kaiser Wilhelm II

(via)

Konrad Lischka heult sich aus

Echt mal Spiegel! Über diesen rassistischen Scheiß hätten Worte verloren werden können oder über diese geschmackvolle Symbiose aus Artikel und Bild aber mehr als zwei Augen zudrücken geht eben nicht.
Konrad Lischka, zuständig für die wirklich brisanten Themen, ist zur Zeit von der Urheberrechtsmafia damit beauftragt, über den schwedischen Pirate-Bay-Prozess zu berichten. Nachdem er erstmal in dem, vom Redaktionspraktikanten im typischen SonntagsSpOn-Stil schlecht abgetippten Artikel, den Angeklagten und Betreibern von Pirate Bay vorgeworfen hat, ihre Verteidigung tatsächlich so aufzubauen, dass sie möglicherweise sogar freigesprochen werden könnten, was Konrad Lischka „feige“ und „verlogen“ findet, da er es im Gegenteil vernünftig und mutig finden würde, sich ohne Not selbst zu belasten und dafür als Maßstab das deutsche Recht heranzieht, in dem das, was den Pirate Bay – Machern vorgeworfen wird, seiner Meinung nach, im Gegensatz zum schwedischen Recht, wenigstens eindeutig als Rechtsverstoß bestimmt wird, macht er sich daran, aus den wahren Aussagen der Verteidiger Lügen zu konstruieren:

„Die Pirate-Bay-Macher lassen ihre Anwälte ausführen, warum ihre Torrent-Suchmaschine, auf deren Servern keine der getauschten Dateien landet, nach schwedischem Recht legal sei.

Das wirkt verlogen. Denn niemand, der halbwegs bei Verstand ist, wird bestreiten, dass mit Pirate Bay vor allem Links zu Raubkopien gesucht und gefunden werden.“

um dann ganz besorgt über die Zukunft des Internets zu sinnieren und gleich mal den Bock zum Gärtner zu machen:

„Wäre es ein Erfolg für die Kritiker des Urheberrechts, wenn nun das Gericht Pirate Bay für in Schweden legal erklärt? Auf den ersten Blick sicher. Aber über die langfristigen Konsequenzen dieses Verfahrens scheint keiner der in Webforen jubelnden Pirate-Bay-Fans nachzudenken.

Das eigentliche Problem im Internet sind ja gerade die extremen Unterschiede der nationalen Regelungen im Urheberrecht. So ein antiquiertes Durcheinander taugt wenig, um Spielregeln in einem internationalen Datennetz festzulegen.“

Wenn also, wie Konrad Lischka meint, vermeintlichen Raubkopierern in Schweden weniger drakonische Strafen blühen als im Rest der Welt würde das am Ende weniger Freiheit für alle bedeuten, weil Staaten und Industrie so quasi dazu gezwungen werden, dass Internet in kleine Inseln aufzusplitten, als ob sie das nicht sowieso machen würden. So wird von Lischka Gehorsam eingefordert, Pirate Bay soll sich schuldig bekennen, damit endlich alles seinen geregelten Verwertungsweg gehen kann. Ansonsten droht er mit der bevorstehenden Vernichtung des Internets. Selbstverständlich nicht durch die „Raubkopierer“ sondern wegen ihnen und zwar weil sie sich nicht rechtzeitig dem „Zerstörer der (Internet)Welten“ unterworfen haben.
Und weiter:

Aber anstatt gegen diese Filter und für einen internationalen Rechtsstandard zu kämpfen, jubeln derzeit in den Webforen selbsternannten Cyberaktivisten über den Pirate-Bay-Prozess. Allein: Vielleicht drängt bald jemand deutsche Internet-Provider dazu, den Zugang zu dieser Seite zu sperren und das Web noch ein wenig nationaler zu machen?

„Raubkopierer“ also, die Inhalte von US-Seiten die für Rechner außerhalb der USA nicht zugänglich sind, überall auf der Welt verbreiten, kämpfen also nicht gegen diese Filter und einen weltweiten Standard indem sie die Filter einfach umgehen sondern sie bejubeln sich nur gegenseitig. Später im Text wird auch klar, wie Konrad Lischka sich diesen Kampf vorstellt. Lobbyvereine sollen gegründet werden, Bürgerinitiativen, Pressearbeit, seinem Abgeordneten soll Druck gemacht werden, dabei unterschlagend, dass es all das bereits gibt, denn es geht ja um die Konstruktion von faulen, verlogenen und feigen Kriminellen die, anstatt Bedürfnisse direkt zu befriedigen sich erstmal im nächsten Ortsverein engagieren sollen. Immerhin sorgt sich Lischka darum, dass Pirate Bay, die Seite deren Macher er am liebsten im Gefängnis sehen würde, demnächst von einem dieser Filter für User aus Deutschland gesperrt sein könnte und somit keiner mehr Zugriff auf die Seite hätte um dann ?was? zu tun? Wo er doch vorher erst festgestellt hat, dass über diese Seite fast ausschließlich Raubkopien verteilt werden.
Danach beschäftigt sich Lischka mit den Argumenten der Filesharer-Community, die natürlich auch allesamt

„so verlogen, feige und faul wie die der Betreiber“ von Pirate Bay sind.

„Das Recht, für lau zu kopieren, was immer man haben will, leiten die Befürworter je nach Gusto aus der technischen Entwicklung, der Verfassung oder dem allgemeinen Rechtsempfinden ab. Das Problem dabei ist, dass man genauso auch das Gegenteil, also eine strikte Verschärfung des bestehenden Urheberrechts begründet könnte.“

Als ob nicht von fast allem, je nach Standpunkt, das Gegenteil begründet werden könnte und warum ist die umgekehrte Nutzung der gleichen Argumente nicht genauso verlogen, feige und faul. Das sagt überhaupt nichts über den Streitpunkt an sich, sondern zeigt nur, dass sich zwei Lager offensichtlich unversöhnlich gegenüber stehen. Aber das weiß schließlich auch Konrad Lischka und stellt fest:

„Weil das so ist, legt in einem Rechtsstaat ja die Mehrheit der gewählten Volksvertreter die Spielregeln fest, an die sich dann alle zu halten haben, egal wie sie die nun finden.“

um im großen Finale zum Sturm auf Restvernunft und Logik zu blasen und der Obrigkeitshörigkeit ein Hohelied zu singen:

„Wenn jeder glaubt, die Gesetze ignorieren zu dürfen, die er dämlich findet, wird sich das Recht nicht weiterentwickeln, zumindest nicht in eine Richtung, die allen Bürgern nützt.“

und warum eine simple Google Recherche machen, wenn man Meinung hat:

Es gibt keine Konsumenten-Lobby, weil die meisten Konsumenten lieber problemlos Raubkopien aus dem Web saugen und einfach jene Gesetze zu ignorieren, die sie stören, als für eine Reform zu kämpfen.“

Ich auch.

Schon wieder Contest. Also schnell einen fremden Rechner gekapert und mit heisser Nadel den bisher besten Wettbewerbsbeitrag aus dem Blogurlaub heraus abgeliefert:

die anderen Teilnehmer da!